Mit freundlicher Genehmigung von businesstalk-kudamm.com
Ein Interview von businesstalk-kudamm.com mit Elke Nürnberger
Elke Nürnberger, Coach und Gründerin von Nürnberger Coaching, erläutert, warum Führung heute weniger standardisierte Trainings braucht als Räume für Reflexion, Entscheidungsfähigkeit und den Umgang mit Komplexität.
Warum reicht klassisches Führungstraining heute oft nicht mehr aus – und welche Rolle spielt Coaching im Umgang mit Komplexität?
Klassische Führungstrainings vermitteln in der Regel Modelle, Tools und Best Practices. Das bleibt weiterhin relevant, greift jedoch zu kurz, wenn Führungskräfte mit komplexen Anforderungen, widersprüchlichen Erwartungen und dynamischen Veränderungsprozessen konfrontiert sind. In solchen Kontexten gibt es selten eindeutige Lösungen, stattdessen entstehen Spannungsfelder, die situativ ausbalanciert werden müssen.
Genau hier setzt Coaching an. Es stärkt die Fähigkeit zur Selbstreflexion, zur bewussten Entscheidungsfindung und zum souveränen Umgang mit Ambiguität. Führungskräfte lernen, ihre innere Haltung zu klären, Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen und auch in unübersichtlichen Situationen wirksam zu bleiben. Coaching erweitert damit klassische Trainings um eine individuelle, kontextbezogene Entwicklungsperspektive.
Wo liegen typische Fehler oder Risiken im Führungskräfte-Coaching?
Ein häufiges Risiko besteht darin, Coaching als isolierte Maßnahme zu betrachten, ohne klare Zielsetzung oder strategische Einbettung. Bleibt unklar, welchem Zweck das Coaching dienen soll, entsteht schnell Frustration auf allen Seiten.
Weitere Risiken ergeben sich aus Rollenkonflikten, etwa wenn Coaching verdeckt zur Leistungsüberwachung oder als Reparaturmaßnahme für schwierige Führungskräfte eingesetzt wird. Kritisch ist auch eine fehlende Passung zwischen Coach und Führungskraft oder mangelnde Transparenz gegenüber beteiligten Funktionen und Entscheidungsebenen. Professionelles Coaching erfordert deshalb eine sorgfältige Auftragsklärung, verbindliche Vereinbarungen sowie ein gemeinsames Verständnis von Rollen, Verantwortung und Grenzen.
Wie wird Führungskräfte-Coaching im Unternehmensalltag praktisch umgesetzt?
Wirksam wird Coaching dann, wenn es eng an reale Führungsherausforderungen angebunden ist. Typischerweise finden regelmäßige, zeitlich begrenzte Sitzungen statt, die sich an konkreten Themen orientieren, etwa Entscheidungsprozessen, Konflikten, Rollenklärungen oder Veränderungsvorhaben.
Erfolgreiche Ansätze kombinieren individuelles Coaching mit übergeordneten Entwicklungszielen der Organisation. Wichtig ist zudem die Anschlussfähigkeit an den Arbeitsalltag, etwa durch Reflexionsaufgaben, Transferimpulse oder gezielte Feedbackschleifen. So wird Coaching nicht als zusätzliche Belastung erlebt, sondern als praxisnaher, unterstützender Rahmen für wirksames Führungshandeln.
Wie sollte die Zusammenarbeit im Führungskräfte-Coaching gestaltet sein, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen?
Der größte Nutzen entsteht durch eine klare und transparente Zusammenarbeit zwischen Coach, Führungskraft, HR und den verantwortlichen Führungsebenen. Basis ist eine präzise Auftragsklärung, die sowohl individuelle Entwicklungsziele als auch organisationale Erwartungen berücksichtigt.
Wesentlich ist, Vertraulichkeit und Offenheit im Coachingprozess zu gewährleisten und zugleich relevante Schnittstellen professionell einzubinden. Regelmäßige Abstimmungen auf übergeordneter Ebene, etwa zu Zielerreichung oder Rahmenbedingungen, fördern Wirkung und Akzeptanz, ohne die Integrität des Coachings zu gefährden.
Wie wird sich technologische Entwicklung auf das Führungskräfte-Coaching in den nächsten Jahren auswirken?
Technologische Entwicklungen werden das Coaching sinnvoll ergänzen, nicht ersetzen. Digitale Formate schaffen mehr Flexibilität, bessere Erreichbarkeit und neue Möglichkeiten der Begleitung, etwa durch virtuelle Sessions, asynchrone Reflexionstools oder KI-gestützte Impulse.
Gleichzeitig bleiben die persönliche Beziehung, das Vertrauen und die Qualität der Gesprächsführung zentral. Technologie entfaltet ihren Mehrwert vor allem dort, wo sie Coachingprozesse strukturiert, unterstützt oder verlängert. Die Zukunft liegt in hybriden Modellen, die menschliche Tiefe und technologische Möglichkeiten sinnvoll verbinden.


